Patchwork – die neue Form der Großfamilie?

„Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen und stark zu machen“

Dieses Sprichwort aus Afrika wird sehr oft zitiert, wenn es um Kindererziehung geht. Waren in Zeiten der Großfamilie viele Erwachsene und ältere Geschwister verfügbar, hat sich heute die Familiensituation völlig verändert.
Die Durchschnittsfamilie hat 1-2 Kinder, die Scheidungsrate liegt in Österreich bei 50%. Daher gibt es viele alleinerziehende Eltern und die Patchwork-Familie ist zu einem häufigen Lebensmodell geworden. Eine Trennung kann viel Schmerz bedeuten, kann aber auch eine Chance für eine neue Basis im Familiensystem sein. Erwachsene sind in dieser Situation sehr häufig in einem emotionalen Ausnahmezustand und es ist ihnen nicht möglich für Kinder einen geschützten Rahmen zu schaffen.


Konfliktgespräche, Wutausbrüche, Schuldzuweisungen sind oft nicht vermeidbar in der angespannten Trennungsphase. Das ist aber Sache der Eltern und Kinder dürfen hier nicht als Sprachrohr oder Streitschlichter herangezogen werden.


Beständigkeit und Verlässlichkeit sind Grundbedürfnisse die das Kind besonders bei großen Veränderungen braucht und die Erwachsenen haben die Verantwortung dafür. Das Kind möchte die Liebe beider Eltern. Auch wenn nach Trennungen neue Partner und Geschwister dazukommen, ist die Zeit nur mit Papa oder Mama sehr nährend.

Es dauert 3-4 Jahre
 
bis ein Kind seinen Platz in einer Patchworkfamilie gefunden hat und sich dort auch wohlfühlt.

Der Charakter der Großfamilie bietet hier ein vielfältiges Angebot,
… ist jedoch auch mit organisatorischen Herausforderungen verbunden. Die Bedürfnisse der Kinder zu achten und keine Zwangsbeglückungen vorzunehmen, erfordert von Eltern eine offene und wertschätzende Kommunikation. Vielleicht ist der Gedanke hilfreich, dass Kinder aus einer gemeinsamen glücklichen Zeit „entsprungen“ sind und auch nach Veränderungen auf die elterliche Liebe und Zuwendung nicht verzichten möchten.

Wenn das Familiensystem überlastet ist und immer wieder Themen eskalieren, ist es sehr hilfreich die Problemlösung auszulagern und externe Hilfe in Form von Beratung in Anspruch zu nehmen. Geschieht dies früh genug, gibt es vielleicht eine Patchworkfamilie weniger.

Aus dem Lebensraum Familie
Ursula Hintermayr

 

Wegbegleiter

… verändern den Lauf des Lebens …

Mit der Geburt beginnt unser Lebensweg, den wir zu Beginn noch nicht alleine bewältigen können. Daher brauchen wir Menschen die uns in unserer Entwicklung fordern und fördern. Diese Begleiter sind in den ersten Jahren meist Eltern und Großeltern. Von ihnen übernehmen wir Lebensmuster und Werte die uns prägen und uns einen großen Teil unseres Lebens begleiten.

Kindergartenpädagogen und Lehrer sind die nächsten Wegbegleiter und allzu oft beginnt hier das Bewerten und Schubladendenken. Altersentsprechende Entwicklung wird schon bei den Eltern im Vergleich zu anderen Kindern gestellt und in der Schule wird mit Noten dies belegbar.


Unser Schulsystem ermöglicht weder den Kindern noch den Pädagogen aus dem vollen Potenzial zu schöpfen. Daher ist es besonders wichtig, den Pädagogen DANKE zu sagen für die großartige Arbeit auf einem oft steinigen Bildungsweg.


In späteren Jahren suchen wir nach eigenen Kriterien unsere Wegbegleiter aus. Vorgesetzte, Kollegen, Ehepartner und Freunde erweitern unseren Horizont fordern uns heraus – lassen uns wachsen. Neue Lebensformen dürfen entstehen und auch die einprägsamen Erlebnisse aus der Kindheit, die vorgelebten und übernommenen Werte werden verändert und neu gestaltet.
 

Unsere Kinder sind auch für uns Wegbegleiter,
 
sie zeigen uns die längst vergessene Leichtigkeit, Offenheit und Neugierde. Wenn wir uns auf diese Qualitäten einlassen, wir die alten Pfade verlassen und mit unseren Kindern ganz neue Wege gehen werden wir im Lebensraum Familie viele Möglichkeiten der Veränderung erleben.

Aus dem Lebensraum Familie
Ursula Hintermayr

 

Momentaufnahme

Ein paar Seiten,
die die Welt verändern …

Wenn Sie kurz innehalten und eine Momentaufnahme von Ihrem Leben machen, wie geht es Ihnen jetzt gerade, wenn Sie diese Zeilen lesen. Sind Sie entspannt, in Eile, wütend, glücklich, zufrieden, gelangweilt oder vielleicht neugierig?

Wer oder was ist der Auslöser für Ihre Gefühle? Wann sind Ihre Emotionen gut steuerbar und in welcher Situation entgleiten sie Ihnen? Es gibt auch Gefühlsausbrüche im positiven Sinne, vor lauter Glück weinen oder eine unsagbare Dankbarkeit empfinden. Unser Lebenstempo lässt diese kleinen Momente des sich Bewusstmachens oft nicht zu. Wir hetzen durchs Leben, orientiert an Strukturen, die uns gar nicht gut tun, laufen etwas hinterher und wissen gar nicht mehr warum und wohin.


Der innere Dialog kann zur Last werden,
wenn wir negative Denkmuster immer wieder füttern.

Nun gibt es aber Möglichkeiten
aus diesem Hamsterrad auszusteigen:


Eine kleine Anregung wie Veränderung gelingen kann.
 
Beginnen Sie mit einem Glückstagebuch, schreiben Sie jeden Tag am Abend ein paar Worte oder Zeilen was Ihnen Gutes begegnet ist, woran sie Freude hatten und welche Momente Sie genossen haben. Wenn es mit Kindern, Partner oder Menschen in Ihrem Umfeld schwierig ist, versuchen Sie bewusst auf Positives im Alltag zu achten und tragen Sie auch das in Ihr Glückstagebuch ein. Sie werden eine Veränderung an sich und an Ihrer Haltung zu diesen Menschen merken.

Auch in schwierigen Zeiten werden Sie bei einem Tagesrückblick wohl-wollende Augenblicke finden, oder Sie lesen die Fülle an Glückseinträgen die sie dem Buch schon geschenkt haben. Mit Kindern kann man das in Form eines Abendrituals gestalten. Die Frage „ Was hat dir heute besonders gut gefallen?“ entlockt jedem Kind einen kurzen Tagesbericht und so kann der Übergang in einen ruhigen Schlaf gut vorbereitet werden.


Wenn Sie 21 Tage hintereinander
Ihren Geist und Ihr Herz
mit diesen erfüllenden Gedanken verwöhnen,

wird das Glückstagebuch
Teil Ihres Alltags sein.


Ich wünsche Ihnen viel Freude beim „Glücksritual“!

Aus dem Lebensraum Familie
Ursula Hintermayr

 

Neuer Blickwinkel

Wenn Kinder außergewöhnliche Reaktionen zeigen

Unsere Lebenserfahrung besteht aus positiven und negativen Erlebnissen und daraus entsteht ein Teil unserer Weltanschauung. Leider sind die negativen Erfahrungen stärker in unserem Gedächtnis und Unterbewusstsein verankert als die positiven. Wenn wir mit Menschen in Kontakt sind, schaffen wir es kaum wertfrei zu bleiben. Dazu kommen unser Selbstwert und unsere Selbstachtung, sind diese nicht so stabil, muss unser Gegenüber kleingehalten werden, damit wir uns besser fühlen.

Bei nötiger Selbstreflexion wird uns das bewusst und wir können diesen Teufelskreis durchbrechen. Das hieße mich selbst ganz bewusst zu erleben und mein Verhalten zu hinterfragen. Wie gehe ich mit mir und wie mit meinen Mitmenschen um? Wo übernehme ich Verantwortung für mein Handeln und Tun und wo transportiere ich die Schuld an dem wie ich bin und reagiere nach außen? Wann verliere ich durch Überforderung den Boden unter den Füßen oder verletze die Menschen in meinem Umfeld?

Wenn gegenüber Erwachsenen das Verhalten nicht angemessen ist bekommen wir das ganz schnell zu spüren. Die meisten wehren sich mit Gegenattacken, mit Rückzug, mit Abstand. Doch wie geht es Kindern? Wie fühlt sich ein vierähriges Kind bei einem verbalen Übergriff, wie ein Schulkind wenn es in eine „Schublade“ gesteckt wird und nicht mehr rauskommt . Die „Schublade“ könnte den Namen „verhaltensauffälliges“ Kind oder „überfordertes“ Kind oder auch „anstrengendes“ Kind heißen.

Diese Kinder hören das viel zu oft und ihre Reaktion, wenn sie sich dagegen wehren bedeutet nur „lasst mich endlich raus aus der „Schublade“ und damit sind wir Erwachsenen sehr oft überfordert.


Wenn Kinder außergewöhnliche Reaktionen zeigen,
ist es meist ein Hilferuf.

Ein Kind reagiert bei einer verbalen Verletzung genauso mit Schmerz wie bei einer körperlichen Verletzung. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, ist das bei Joachim Bauer im Buch Selbststeuerung nachzulesen.


Ich wünsche Ihnen einen guten Start in das neue Schuljahr, vielleicht ein Neubeginn für Ihr Kind, weil Sie Ihren Blickwinkel verändert haben.

Aus dem Lebensraum Familie
Ursula Hintermayr

 

Liebevoll Grenzen setzen

„Kinder brauchen Grenzen – für eine gesunde Entwicklung“

… diesen Satz liest man immer wieder, wenn es um Erziehung geht. Vielen Eltern fällt es jedoch schwer diese Grenzen festzulegen und daher wird es für Kinder enorm anstrengend, denn sie müssen immer wieder ausprobieren was möglich ist und ob es eine Grenze gibt.

Wenn Sie Ihrem Kind den Alltag erleichtern wollen, dann kommunizieren Sie klar und deutlich wann Ihre Grenze erreicht ist.
 
Für Ihren Tagesablauf kann das zu Beginn mit Ausdauer und Anstrengung verbunden sein. Außerdem müssen wir Eltern auch lernen, die Frustration der Kinder auszuhalten. Dieser Lernprozess fällt nicht immer leicht. Aber auf die Zukunft gesehen, profitieren alle von der gelebten Konsequenz.

Es braucht auch bei Kleinkindern keine umschweifende Erklärung, kurz und klar formulierte Botschaften können Kinder gut verstehen. Wenn Eltern mit liebevoller Bestimmtheit agieren, haben Kinder Klarheit und können ihre Freiheiten innerhalb der Grenzen ausleben.
Damit dies gelingen kann, braucht es von klein auf eine positive Beziehungs-Ebene. Kinder müssen sich auf das verlassen können was wir Eltern aussprechen. Wie oft machen Eltern Androhungen oder Zusagen die nicht eingehalten werden. Dadurch verlieren Kinder die Orientierung und bei nicht eingehaltenen Zusagen kommt die Enttäuschung dazu.

Bei Teenies ist es ratsam auf die Bedürfnisse hinter dem Konflikt-Verhalten zu achten. Jugendliche wollen in ihrer Art angenommen und verstanden werden. Oft bringen sie in einem achtsamen Gespräch selber Lösungsvorschläge für eine schwierige Situation.


» Aktiv zuhören « heißt, mit voller Aufmerksamkeit dem anderen zuhören und die eigenen Gedanken und Vorschläge ruhen lassen. Sich auf den Inhalt des Gespräches einlassen und Gefühle dahinter erahnen. Dies ist eine Form der Kommunikation die wir nicht gewohnt sind, es lohnt sich jedoch einen Versuch zu starten.

Nehmen Sie die Herausforderungen an und wenn es ganz unerträglich wird, denken Sie an ein besonders berührendes Erlebnis mit Ihrem Kind. Das erste Lächeln oder die ersten Schritte sind garantierte Herzöffner für ein liebevolles Miteinander im Lebensraum Familie.

Ihre Ursula Hintermayr